Bildung

Beschlossen auf der Bezirksvorstandsitzung am 6. Dezember in Augsburg

Gerechte Bildung für Alle!

Der bayerische Bildungsbericht beweist die soziale Schieflage: der Bildungserfolg in Bayern hängt nicht davon ab, was SchülerInnen im Kopf haben, sondern ist abhängig von Wohnort, Geschlecht, sozialer und kultureller Herkunft. Die CSU nimmt, im Gegensatz zu ihrem eigenen Ministerium, die vorhandenen Gerechtigkeitslücken nicht zur Kenntnis, sondern sonnt sich weiter im Schein des Pisa-Spitzenreiters.

Auf den Anfang kommt es an

Wir Grüne sind der Meinung, dass Bildung effizienter und gerechter vermittelt werden kann, als es bisher der Fall ist. Bildung findet nicht erst mit der Einschulung statt, auch schon Krippen und Kindergärten sind Bildungsinstitutionen. In Schwaben ist die Betreuung der unter Sechsjährigen nicht ausreichend gesichert, es fehlen insbesondere Kleinkinderplätze und Ganztagsbetreuungsangebote für Kindergartenkinder. Zur frühkindlichen individuellen Förderung bedarf es eines flächendeckenden Angebots mit qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern. Zu diesem Zweck muss ihre Ausbildung reformiert werden. Sie sollen auch ohne Abitur die Möglichkeit für ein Aufbaustudium erhalten. Zukünftige ErzieherInnen sollen, wie im europäischen Ausland üblich, ein praxisorientiertes Hochschulstudium absolvieren und auch dementsprechend bezahlt werden.

Gerechte Bildung für alle

Der Bildungsbericht zeigt die geringe Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems. Die SchülerInnen wechseln eher in niedrigere Schularten, als dass sie in höhere aufsteigen. Das leidige Wirrwarr an Schullaufbahnen und Reformbemühungen dient eigentlich nur dem Bestreben den Fehler der Selektion nach der vierten Klasse auszumerzen. In Schwaben treten verhältnismäßig viele SchülerInnen in die Hauptschule über. Auffällig sind die Unterschiede zwischen den kreisfreien Städten und den Landkreisen bei Übertritten an die Hauptschule und Realschule: in den kreisfreien Städten geht mehr als die Hälfte der SchülerInnen auf die Hauptschule, in den Landkreisen sind es zwischen 39 und 49 Prozent. Der Anteil von SchülerInnen die auf die Realschule wechseln, liegt in den vier schwäbischen kreisfreien Städten bei nur maximal 23 Prozent, in den Landkreisen hingegen mindestens 23 Prozent. Generell ist feststellbar, dass diejenigen Landkreise und Städte um die es gut bestellt ist, auch Spitzenreiter bleiben, die schlechteren aber nicht nachziehen können. Die Nichtversetzungsquote an schwäbischen Schulen ist sehr hoch, insbesondere für Buben und AusländerInnen ist dieses Risiko nicht zu übersehen. Gleiches gilt für SchülerInnen, welche die Schule ohne Abschluss verlassen. Deshalb sollen Kinder mit Sprachschwierigkeiten durch verstärkte Sprachförderung gleiche Startchancen haben. Deutsche wie Kinder anderer Nationalität sollen schon vor dem Schuleintritt und erst recht danach in der Lage sein, sich gut zu verständigen. Das Geld das hier investiert wird, macht sich langfristig bezahlt.

Lust am Lernen

Damit auch in den Schulen die Lust am Lernen bleibt, sind Reformen unabdingbar. Gelernt wird nicht, wenn man still konsumiert, sondern vor allem, wenn man sich beteiligt und Interesse geweckt wird. Dazu brauchen wir rhythmisierten Unterricht mit Konzentrations- und Erholungsphasen. Wir wollen verstärkt Lernformen wie Gruppen-, Projektarbeit und Selbstbeschäftigung statt Frontalunterricht pur. Voraussetzung dafür sind geteilte oder kleinere Klassen, sowie geeignete Räumlichkeiten. Projektarbeit dient der vertiefenden Wissensvermittlung und wirkt der derzeitigen Fächeraufsplitterung im 45-Minuten-Takt entgegen. LehrerInnen und SchülerInnen sollen die Möglichkeit haben, gemeinsam individuelle Lehrpläne zu entwickeln und dogmatische Verordnungen der Ministerialbürokratie abzulösen.

Da nicht nur von LehrerInnen gelernt wird, sollen Schulen auch Freiraum für Kooperationen mit Musik- und Sportvereinen, KünstlerInnen, Jugendverbänden, StudentInnen und SeniorInnen , aus Handwerk und Wirtschaft bieten. Patenschaften und andere Formen der Mitgestaltung in der Region oder im Stadtteil können Teil des Angebots sein.

SchülerInnen und LehrerInnen sollen sich in der Schule wohlfühlen. Durch Investitionen in Gebäude kann es gelingen, eine positive Lernatmosphäre zu schaffen. Alle Beteiligten müssen darauf achten, dass genügend Nischen, Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Es muss Platz sein für Gruppen- und Freiarbeit, für Spiel und Bewegung. Daneben muss auf ein ausgewogenes Verpflegungsangebot geachtet werden. Die Kinder müssen frühzeitig über gesunde, ausgewogene, frische und vollwertige Ernährung aufgeklärt werden und die Möglichkeit haben, spezielle und kulturelle Essenswünsche berücksichtigt zu wissen.

Neue Rolle der LehrerInnen

In die LehrerInnenausbildung gehört von Anfang an mehr Praxisbezug, außerdem müssen dort Pädagogik und Didaktik einen deutlichen höheren Stellenwert gegenüber dem Fachwissen erhalten. Das Selbstverständnis muss weg vom Wissens-Vortrag zur LernberaterIn und MotivatorIn . Jedes Kind muss in seinem Lernfortschritt motiviert und individuell gefördert werden. Zu diesem Zweck müssen auch PädagogInnen, SozialarbeiterInnen und PsychologInnen zukünftig zum Personal der Schulen gehören.

Freiraum schaffen, Qualität sichern

Die Schulen brauchen zudem mehr Freiheit, um eigenständig ihr Profil entwickeln zu können. Sie sollen selbst Verantwortung für ihr Personal und ihr Budget tragen. Dabei sollen auch SchülerInnen und Eltern mehr Mitsprachrecht erhalten. Wichtige Entscheidungen, wie die Profilentwicklung der Schule, sollen in Schulkonferenzen mit Drittelparität (LehrerInnen /Eltern/SchülerInnen) getroffen werden. Die Politik soll lediglich den Rahmen setzen und Standards vorgeben. Was die Schulen leisten, soll regelmäßig kontrolliert und evaluiert werden, um Stärken ausbauen und Schwächen erkennen und beseitigen zu können. Bildungsagenturen und regionale KoordinatorInnen sollen hier begleitend zur Seite stehen.

Schule der Zukunft

In den nächsten Jahren werden die SchülerInnenzahlen in vielen schwäbischen Orten sinken. Dies hat bereits jetzt erhebliche Konsequenzen für die Schulstandorte. Nach der Schließung von Teilhauptschulen sind auch kleinere (Haupt- und Grund-)Schulen in ihrem Bestand bedroht. Viele SchülerInnen werden weite Schulwege zu bewältigen haben. Die demographischen und bildungspolitischen Herausforderungen können durch eine längere gemeinsame Schulzeit und kleinere Klassen gemeistert werden. Erst danach entscheiden die Jugendlichen, ob sie über eine Oberstufe eine akademische Ausbildung anstreben oder eine berufsbildende Laufbahn einschlagen. Kommunen mit gefährdeten Standorten sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Schule im Hinblick auf die regionalen Begebenheiten weiterzuentwickeln und sich so eigenständig und unabhängig zu profilieren. Gerade im ländlichen Raum bietet es sich an, die Bildungseinrichtungen zu selbstverwalteten Bildungszentren als Anlaufstelle für alle Bildung und Kultur nachfragenden EinwohnerInnen zu entwickeln. Hier können ArbeitsberaterInnen , PsychologInnen , LogopädInnen und PatInnen gemeinsam agieren. Kategorie: Resolutionen Kategorie: Bildungspolitik

Weiterbildung sichern

Bayern liegt bei den Aufwendungen für seine BerufsschülerInnen auf dem letzten Platz der westdeutschen Bundesländer. Auch im Bereich der Erwachsenenbildung sind Einsparungen immer wieder auf der Tagesordnung. Um den Anteil der AusbildungsabbrecherInnen zu senken und die Jugendlichen vor Arbeitslosigkeit zu bewahren müssen zum einen die Mittel aufgestockt werden und zum anderen verstärkt Möglichkeiten zum Erwerb von Teilqualifikationen angeboten werden. Der geringe Anteil von Unternehmen, die ausbilden, muss bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt werden. In einem Zeitalter gebrochener Lebensläufe und permanent steigender Anforderungen müssen vorhandene Bildungsdefizite im Weiterbildungsbereich stetig aufgearbeitet werden können. Dazu braucht es ein breit gefächertes Angebot an Vermittlung, das sich vor allem an benachteiligte Gruppen, wie jugendliche Arbeitslose, Eltern nach der Erziehungsphase, MigrantInnen oder ältere ArbeitnehmerInnen richtet.

Bildung ist unbezahlbar

Wir Grüne streben eine deutliche Erhöhung der staatlichen Ausgaben für den gesamten Bildungsbereich an. Bayern hat hier den größten Nachholbedarf. Im Vergleich der Bundesländer liegt der Freistaat sowohl bei den Pro-Kopf-Ausgaben als auch beim Anteil des Bruttoinlandsproduktes unter dem Durchschnitt. Hier wollen wir umsteuern. Für uns haben Bildungsausgaben Priorität - denn in der Bildung liegt unsere Zukunft!

Topic revision: r1 - 19 Dec 2006 - 13:09:48 - Tobi

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